LEXIKON

DIN 7926

Kinderspielgeräte – Sicherheitstechnische Anforderungen & Prüfung

Allgemeines

Die DIN 7926-1 regelte die sicherheitstechnischen Anforderungen an Kinderspielgeräte und wurde vom Deutschen Institut für Normung herausgebracht. Sie war ab dem 01. August 1985 bis zum Inkrafttreten der DIN EN 1176-1 im Jahr 1998 gültig und schrieb sicherheitstechnische Regeln für Planung, Herstellung, Prüfung, Aufstellung und Unterhaltung von Kinderspielgeräten auf Spielplätzen und Spieleinrichtungen vor und ersetzte beziehungsweise erweiterte die erste Deutschen Norm für Kinderspielgeräte von 1976 und deren Überarbeitung von 1981. Zweck der Norm war es, die Benutzer von Spielplatzgeräten bei bestimmungsgemäßem und voraussehendem Gebrauch vor Gefahren zu schützen. Im Mai 1987 brachte das Deutsche Institut für Normung zudem ein 12-seitiges Beiblatt zur DIN 7926 heraus, welches die in der Norm erwähnten Sachverhalte oftmals vertiefen und näher erläutern sollte. Es enthielt jedoch keine zusätzlichen genormten Festlegungen.

Arten von Geräten und Einrichtungen

Die DIN Norm 7926 unterschied grundsätzlich zwischen standortgebundenen und standortungebundenen Spielplatzgeräten. Standortgebunden hieß, dass diese Kinderspielgeräte fest mit dem Boden verbunden waren, während standortungebundene Geräte ohne feste Verbindung mit dem Boden aufgestellt und verwendet werden konnte. Es war allerdings darauf zu achten, dass standortungebundene Spielplatzgeräte auch bei missbräuchlicher Benutzung nicht kippen oder wackeln und dabei Gefahren verursachen konnten. Zudem wurden Kinderspielgeräte nach Art und Funktion unterschieden, so zum Beispiel für Bewegungsaktivitäten, manuelle Aktivitäten, soziale oder sportliche Aktivitäten.

Sicherheitstechnische Anforderungen

Werkstoffe

Die Wahl und Verwendung von Werkstoffen erfolgte unter Berücksichtigung deutschlandweit geltenden DIN-Normen. Bei der Verbauung von Holz sollte darauf geachtet werden, dass Niederschläge ungehindert ablaufen können und sich keine Staunässe bildet. Kann dies nicht gewährleistet werden, muss das Holz mit besonderen chemischen Schutzmaßnahmen behandelt werden. Metalle und Kunststoffe müssen gegenüber den jeweiligen Witterungsverhältnissen beständig sein.

Konstruktion

Der Schwierigkeitsgrad der Kinderspielgeräte sollte dem Alter des Benutzers entsprechend angepasst sein und das Spielrisiko sowie die Gefahren kalkulierbar bleiben. Die Standsicherheit besonders bei standortungebundenen Geräten ist zu gewährleisten. Zur Berechnung von Standsicherheit, Festigkeit und Belastbarkeit können rechnerische oder praktische Verfahren verwendet werden. Zudem müssen Spielgeräte auch für Erwachsenen zugänglich sein, um im Notfall Hilfe zu leisten. Die freie Fallhöhe bei Kinderspielgeräten beträgt 3 Meter, bei Klettergeräten 4 Meter. Es galt bei der Absturzsicherheit, dass ab einer Fallhöhe von 1 Meter mindestens ein Handlauf anzubringen ist und erst bei einer freien Fallhöhe von 2 Metern oder mehr ist eine Absturzsicherung in Form eines Geländers oder einer Brüstung mit mindestens 700mm Höhe erforderlich. Bei der Oberflächenbeschaffenheit von Spielplatzgeräten gelten folgenden Vorschriften: Holz sollte splitterarm sein, überstehende Nägel sowie spitze oder scharfkantige Teile sind unzulässig und überstehende Bolzen oder Schrauben sind abzudecken oder abzurunden. Bei einer Fallhöhe von bis zu 1000 mm ist Betonboden, Stein oder Asphalt zulässig. Es ist sogar erlaubt einen Bodenbelag mit noch geringerem Schutz zu verlegen, wenn sich an der Standfläche des Spielplatzgerätes eine Absturzsicherung von mindestens 850 mm befindet. So durfte bei einer Fallhöhe von bis zu 2000 mm ein Rasen verlegt sein, während bei einer Konstruktion mit Geländer oder Brüstung auch ein einfacher Naturboden oder eine Trennfläche ausreichte. Die Mindestschichtdicke von 200 mm beii Sand, Kies o.ä. ist einzuhalten, allerdings ist durch das Wegspielen des Materials eine Schichtdicke von 400 mm empfohlen. Nur vereinzelt und unzulänglich wird in der Norm von 1985 auf die Gefahren von Fangstellen eingegangen. Lediglich ein Hinweis zur Öffnungsmaße an Spielgeräten zum Schutz des Kopfes wird genannt. Zudem werden nur unzureichend die Anforderungen an Zugänge wie Leitern, Rampen und Treppen erläutert.

Prüfung

Die Spielgeräte sind nach den bereits genannten Normen zu messen oder zu besichtigen. Angaben zu näheren Verfahren oder dem Erstellen eines Prüfberichts fehlen in der Vorschrift von 1985.

Entwicklung

Die obige DIN Norm sowie das später veröffentlichte Beiblatt waren bis zum Mai 1998 gültig, als das europäische Komitee für Normung die Norm EN 1176-1: 1998 „Spielplatzgeräte: Allgemeine sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren“ veröffentlichte. Sie ersetzte die deutsche Norm und wurde erstmals unter Berücksichtigung europäischer Gesichtspunkte komplett überarbeitet. Sie war in allen CEN-Mitgliedsstaaten (damals 19) verbindlich. Die größten Änderungen gab es bei den Kapiteln „Sicherheitstechnische Anforderungen und Standsicherheit“, „Gefahren durch Öffnungen und Fangstellen“ sowie bei den „Bestimmungen an Geräte-, Frei- und Fallräumen“.

In der seit 1998 europaweit gültigen Norm wurde auf die zusätzliche Sicherheit bei Geräten geachtet, die von Kindern bis 36 Monaten frei zugänglich sind. Diese umfassen gesonderte Regeln für Fangstellen, Absturzsicherheit, Treppen und Rampen. An anderer Stelle wird in die von 1985 erwähnten Funktionsunterschiede von Kinderspielplatzgeräten nicht mehr explizit eingegangen. Nunmehr wird verstärkt darauf hingewiesen, dass die verwendeten Werkstoffe gültiger EU Norm entsprechen müssen. Weiterhin wird mehrmals erwähnt, auf toxikologische Gefahren und Entflammbarkeit bzw. Feuerfestigkeit der verwendeten Materialien zu achten. Die Berechnung und Prüfung zur konstruktiven Festigkeit des Spielplatzgerätes wird ausführlich dargelegt, anders als in der Norm von 1985, in der dieses Kapitel nur angeschnitten wurde. Auch die Bedingungen zur Absturzsicherung sind verschärft worden. So sind für Spielgeräte, die für Kinder bis 36 Monate zugänglich sind bereits ab einer Höhe von 600 mm Brüstungen erforderlich. Für Spielgeräte für Kinder ab 3 Jahren ist ab einer freien Fallhöhe von 1 Meter ein Geländer anzubringen und ab einer Höhe von 2 Metern eine Brüstung notwendig. Bei der Wahl der Bodenart ergeben sich ähnlich verschärfte Veränderungen wie bei den Regeln zur Absturzsicherheit. Ab 1998 ist bereits ab einer Standhöhe 600 mm ein stoßdämpfender Boden wie etwa Rasen oder Naturboden im gesamten Aufprallbereich verbindlich. Die Mindestschichtdicke von losem Schüttmaterial hat sich auf 300 mm vergrößert. Durch das Wegspielen der Materialien wird 1985 und 1998 allerdings eine Schichtdicke von 400 mm empfohlen. Die Verwendung von Rindenmulch oder Holzschnitzeln als weitere dämpfende Bodenart findet erstmals Erwähnung. Hierzu ist auch die Norm EN 1177 von Interesse, die die Anforderungen an stoßdämpfende Spielplatzböden regelt.

Eine größere Aufmerksamkeit gilt ebenfalls dem Schutz des Kindes vor Gefahren durch Fangstellen und bewegliche Teile. So wurden Anforderungen an Teile des Spielplatzgeräts wie Ketten oder Hängebrücken und ganze Geräte an sich wie Tunnel und Wippen neu gestellt.

Schließlich wurde das Kapitel „Bereiche“ völlig neu gestaltet und die Bestimmungen zum Mindestraum eines Spielplatzgeräts neu definiert. So wird jetzt beispielsweise zwischen Geräte-, Frei- und Fallraum unterschieden. Zudem darf die maximale Fallhöhe bei Spielplatzgeräten von 3 Metern nicht mehr überschritten werden.

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